ELEKTRIK KAPUTT

Camping für Anfäger | Unser Glück findet sich in der Fachwerkstatt

REISETAGEBUCH

Elektrik kaputt – Wir lernen die Fachwerkstatt kennen

 

Ein altes Wohnmobil, Freiheit und erste Probleme

Kaum stand Freddie vor unserer Garage, durfte er auch schon zeigen, was in ihm steckte.

In der Verwandtschaft stand ein runder Geburtstag an. Und wie das bei uns so ist, wurde er natürlich auf dem Campingplatz gefeiert. Meine Eltern, Onkel und Tanten sind alle leidenschaftliche Camper. Wirklich alle.

Nur ich war zwischendurch mal aus der Art geschlagen.

Nach einer gründlichen Reinigung, der Anmeldung und einem kurzen Moment, in dem ich einfach nur stolz vor Freddie stand und dachte: „Na, dann wollen wir mal“, ging es am nächsten Wochenende los.

Für die erste Tour war diese Familienfeier genau richtig. Nicht weit weg, vertraute Menschen, überschaubares Risiko. Dachte ich.

Spoiler: Es kam natürlich ein bisschen anders.

Die erste Tour mit Freddie

Freddie schaukelte tapfer durch die Landschaft. Gemütlich, ein wenig betagt, aber mit Würde. Die Fahrt war eigentlich viel zu schnell vorbei. Ich hätte ruhig noch ein paar Kilometer weiter mit ihm durch die Gegend tuckern können.

Auf dem Campingplatz fanden wir schnell eine nette Parzelle. Schön gelegen, genug Platz, nicht zu weit vom Geschehen entfernt.

Leider auch etwas abschüssig.

Die Sache mit den Auffahrkeilen 

„Das kriegen wir hin“, sagte mein Mann.

Ich schaute auf die Auffahrkeile und dachte: „Aha, jetzt also die Königsdisziplin.“

 

Ich hätte nie gedacht, dass man sich so intensiv damit beschäftigen kann, ob ein Wohnmobil gerade steht. Mein Mann fuhr vorsichtig auf die Keile.

 

„Noch ein Stück“, sagte ich.

„So?“

„Ein kleines Stück.“

„So?“

„Jetzt war es zu viel.“

 

Er sah mich durch die Windschutzscheibe an. Dieser Blick. Verheiratete Menschen kennen ihn.

Also wieder runter. Noch einmal rauf. Ein bisschen vor, ein bisschen zurück. Irgendwann standen wir beide neben Freddie, starrten auf die Wasserwaage und taten so, als hätten wir das völlig im Griff.

Sagen wir mal so: Perfekt war es nicht. Aber gerade genug.

Und wer schon einmal nachts schief im Bett gelegen hat, weiß: waagerecht schlafen ist ein echtes Wellness Erlebnis.

Wenn der Landstrom plötzlich streikt

Nachdem Freddie also halbwegs in der Waage stand, wollten wir ihn an den Landstrom anschließen. Das Kabel war lang genug. Der Stecker passte. Ich war kurz davor, mich für unsere technische Kompetenz zu loben.

Dann schalteten wir den ersten Verbraucher ein.

Klick.

Sicherung raus.

 

„Das war jetzt Zufall“, sagte ich.

 

Wir versuchten es noch einmal.

Klick.

Wieder raus.

Mein Mann und ich sahen uns an.

 

„Okay“, sagte er. „Das ist dann wohl kein Zufall.“

 

Strom kam an. Irgendwie. Nur bleiben wollte er offenbar nicht.

Ich machte mir eine geistige Notiz: Neffe ansprechen. Er ist Kfz-Meister und in unserer Familie damit automatisch zuständig für alles, was Räder hat, Geräusche macht oder komisch riecht.

 

Zu Freddie sagte ich nur: „Ruhig, Großer. Das bekommen wir wieder hin.“

Romantik mit Taschenlampe 

Zum Glück hatte Freddie bereits eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Tagsüber kamen wir damit wunderbar zurecht. Abends wurde dann eben improvisiert.

Eine batteriebetriebene Lichterkette hier, eine Taschenlampe dort. Dazu das warme Stimmengewirr der Familie draußen vor den Wohnwagen. Es hatte etwas sehr Heimeliges.

Nur der Weg zur Toilette war nachts ein kleines Abenteuer.

 

„Nimm die große Taschenlampe“, sagte mein Mann.

„Warum?“

„Nur so.“

 

Sehr beruhigend.

Also stapfte ich später mit Taschenlampe über den Campingplatz, während jeder Busch aussah, als könnte er gleich persönliche Fragen stellen. Ein bisschen Chaos gehört ja bekanntlich zur Gemütlichkeit.

Diagnose vom Profi

Am nächsten Tag schaute sich mein Neffe die Elektrik an. Er öffnete eine Klappe, beugte sich vor und wurde ungewöhnlich still.

Das ist bei Handwerkern nie ein gutes Zeichen.

 

„Und?“, fragte ich vorsichtig.

 

Er richtete sich langsam wieder auf.

 

„Sorry, Elena“, sagte er. „Ich mache euch gerne mal einen Ölwechsel. Aber bei Strom und besonders bei dieser Verkabelung bin ich raus.“

„So schlimm?“

 

Er schaute noch einmal hinein.

 

„Sagen wir mal so: Das ist ein totaler Kabelsalat und zudem sieht so aus, als wäre der Wechselrichter defekt.“

 

Das gehört nicht zu den Dingen, die man beim ersten Ausflug mit dem neuen alten Wohnmobil unbedingt hören möchte.

Kabelsalat mit Vorgeschichte

Wir riefen also den Vorbesitzer an und fragten, ob ihm bewusst gewesen sei, dass der Landstrom nicht richtig funktionierte. Er erklärte, dass er eigentlich immer autark gestanden habe. Mit Solar habe alles wunderbar funktioniert.

Und ja, das stimmte. Tagsüber konnten wir uns wirklich nicht beschweren. Freddie versorgte sich tapfer selbst. Nur sobald der Landstrom ins Spiel kam, wurde es dramatisch.

Damit war klar: Freddie brauchte Hilfe von außen.

Ein Fall für die Fachwerkstatt

Am Montag rief ich einen unserer Werkstattpartner an und bekam netterweise direkt einen Termin. Nach unserem ersten Campingwochenende ging es für Freddie also nicht etwa zurück in die wohlverdiente Pause, sondern erst einmal in die Fachwerkstatt.

Der Servicemitarbeiter war zunächst ganz angetan von unserem kleinen Reisemobil.

 

„Der hat Charme“, sagte er.

Ich nickte stolz. „Finden wir auch.“

 

Dann sah er sich die Elektrik genauer an.

Sein Gesicht veränderte sich. Erst freundlich. Dann konzentriert. Dann leicht entsetzt.

Er schaute in die Verkabelung, schüttelte langsam den Kopf und fragte vorsichtig:

 

„Sind Sie dafür verantwortlich?“

 

Ich hob sofort beide Hände.

 

„Nein! Wirklich nicht. Wir haben ihn gerade erst gekauft.“

 

Ein bisschen peinlich war es mir trotzdem. Natürlich hatten wir die Kabel nicht gezogen. Aber beim Kauf hatten wir es eben auch nicht bemerkt.

Der Vorbesitzer hatte offenbar sehr motiviert selbst Hand angelegt. Sagen wir es so: kreativ. Sehr kreativ.

Erleichterung zum Schluss

Freddie blieb über Nacht in der Werkstatt. Wir fuhren ohne ihn nach Hause, und ich sah innerlich schon unsere Renovierungs-Kasse dahinschmelzen. Dabei hatte ich doch längst Stoffideen für neue Kissen und Gardinen im Kopf. Und vielleicht eine kleine Ablage.

Am nächsten Abend konnten wir Freddie wieder abholen.

Die Elektrik funktionierte, die Sicherungen blieben drin und die Rechnung war überraschend niedrig.

Ich hätte den Servicemitarbeiter fast umarmt. Habe ich aber natürlich nicht. Man will ja seriös wirken.

Als wir mit Freddie wieder nach Hause fuhren, fühlte er sich plötzlich noch mehr nach unserem Wohnmobil an. Nicht, weil alles perfekt war. Sondern weil wir die erste kleine Krise gemeinsam überstanden hatten.

 

NACHKLANG

 

Da war er wieder, dieser Campingmoment.

Nicht glatt. Nicht planbar. Ein bisschen schief vielleicht.


Aber genau deshalb echt.

Miri im Urlaub einem Lächeln im Gesicht.Miri im Urlaub einem Lächeln im Gesicht.

ELENA

Gastautorin & Campingfan


FAQ

Warum fliegt beim Anschließen von Landstrom sofort die Sicherung raus?

+
Das ist so ein klassischer Campingmoment. Man kommt an, steckt das CEE-Kabel ein – und klack. Dunkel.

Oft steckt gar nichts Dramatisches dahinter. Viele Campingplätze stellen nur wenige Ampere zur Verfügung. Wenn dann gleichzeitig Wasserkocher, Kaffeemaschine oder Heizlüfter laufen, ist die Belastungsgrenze schnell erreicht.

Manchmal liegt die Ursache aber auch im Fahrzeug selbst. Ein defektes Ladegerät, ein Problem im Kühlschrank, ein defekter Wechselrichter oder ein Kurzschluss in der 230-Volt-Anlage können ebenfalls dafür sorgen, dass die Sicherung sofort auslöst.

Sagen wir mal so: Nicht immer ist der Campingplatz schuld. Aber auch nicht immer das Wohnmobil.

Woran erkenne ich, ob die Sicherung oder der FI-Schalter ausgelöst hat?

+
Die beiden werden gern verwechselt, machen aber völlig unterschiedliche Dinge.

Die normale Sicherung – genauer gesagt der Leitungsschutzschalter – reagiert auf Überlastung oder Kurzschlüsse. Sie springt raus, wenn plötzlich zu viel Strom fließt.

Der FI-Schalter (Fehlerstromschutzschalter oder RCD) hat eine andere Aufgabe. Er schützt Menschen vor gefährlichen Stromschlägen. Schon der kleinste Fehlerstrom reicht aus, damit er abschaltet.

In der Praxis sind Feuchtigkeit im Außenstecker, beschädigte Kabel oder defekte Heizelemente häufige Ursachen für einen ausgelösten FI-Schalter.

Kurz gesagt:
Sicherung = zu viel Strom
FI-Schalter = Strom fließt dort, wo er nicht hingehört

Warum funktioniert meine Solaranlage, aber der Landstrom macht Probleme?

+
Das wirkt zunächst verwirrend, ist technisch aber völlig logisch.

Im Wohnmobil laufen meist zwei getrennte Stromwelten nebeneinander:
Das 12-Volt-System versorgt Licht, Wasserpumpe und viele andere Verbraucher über Batterie und Solaranlage.
Das 230-Volt-System wird über den Landstromanschluss gespeist.

Deshalb kann die Solaranlage problemlos arbeiten, obwohl beim Landstrom gar nichts funktioniert.

Häufig steckt dann das Ladegerät beziehungsweise der Wandler dahinter, der den Landstrom für die Bordbatterie nutzbar macht. Auch ältere Umbauten oder nachträgliche Bastellösungen können Probleme verursachen.

Ich nenne das gern die „Vorbesitzer-Überraschung“. Man entdeckt sie meistens erst dann, wenn man sie eigentlich überhaupt nicht gebrauchen kann.

Welche Kabel dürfen im Wohnmobil verlegt werden?

+
Wer einen Ausbau plant, stößt früher oder später auf genau diese Frage.

Normale Hausinstallationskabel mit starren Kupferadern haben im Wohnmobil nichts verloren. Durch die ständigen Vibrationen beim Fahren können sie brechen und zu Sicherheitsproblemen führen.

Verwendet werden sollten ausschließlich flexible, feindrähtige Fahrzeugleitungen, die für den mobilen Einsatz geeignet sind.

Wichtig ist außerdem die Trennung der Systeme. 12-Volt- und 230-Volt-Leitungen dürfen nicht gemeinsam im selben Kabelkanal verlegt werden.

Kabelsalat gehört vielleicht manchmal zum Campingalltag. Bei der Elektrik sollte man allerdings lieber darauf verzichten.

Wie kann ich elektrische Probleme im Urlaub selbst eingrenzen?

+
Wenn unterwegs plötzlich nichts mehr funktioniert, hilft oft ein wenig systematisches Vorgehen.

Am besten beginnt man mit dem Ausschlussprinzip:
Alle 230-Volt-Verbraucher ausschalten oder ausstecken.
Landstrom anschließen.
Die Geräte nacheinander wieder aktivieren.

So lässt sich häufig recht schnell erkennen, welcher Verbraucher das Problem verursacht.

Danach lohnt sich ein Blick auf das Anschlusskabel und die CEE-Stecker. Knicke, Beschädigungen oder Feuchtigkeit sind typische Fehlerquellen.

Wer ein Multimeter dabei hat, kann zusätzlich prüfen, ob am Landstromanschluss überhaupt Spannung ankommt.

Und manchmal ist die Lösung erstaunlich simpel. Ein lockerer Stecker, ein feuchter Anschluss oder ein Schalter, den man vor drei Tagen selbst umgelegt und anschließend vergessen hat. Natürlich rein theoretisch. Mir würde so etwas selbstverständlich niemals passieren. Fast nie.

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Erstellt: 01.06.2026

Letzte Änderung: 01.06.2026

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