CAMPING FÜR ANFÄNGER

Unsere erste 10-tägige Reise im Wohnmobil

REISETAGEBUCH

Der Weg ist das Ziel

 

(oder: Wie man aus Versehen Camper wird)

Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal schreiben würde: "Wir gehen campen".


Ja, richtig gelesen – campen! Ich arbeitete in einem Unternehmen für Campingzubehör (die Ironie war mir natürlich bewusst) und hatte – abgesehen von einer kurzen Pfadfinder-Zeit, far, far away – keinerlei echte Campingerfahrung. Als bis dahin überzeugte Ferienwohnungs-Liebhaberin tauschte ich plötzlich feste Wände gegen ein Zuhause auf Rädern und die Terrasse gegen den Bordstein.
Mein Partner war das genaue Gegenteil: Motorradfahrer, Zeltprofi und felsenfest davon überzeugt, dass Freiheit draußen beginnt – irgendwo zwischen Lagerfeuer und Gasflamme. Für ihn war Campen pure Leidenschaft, für mich bis dahin eher eine abenteuerliche Vorstellung mit fragwürdigem Komfort.
Doch nachdem in unserem Freundeskreis gefühlt alle vom Zauber des Campens“ schwärmten, wollte ich wissen, ob da wirklich etwas dran war. Mein Partner jedenfalls war sofort Feuer und Flamme.

VORBEREITUNG

Vom Spontanentscheid zum Campingpalast

 

Wir sind nicht gerade Weltmeister im Vorausplanen. Also riefen wir kurzerhand bei der Campervermietung unseres Vertrauens an. Da die Saison schon weit fortgeschritten war, war die Auswahl entsprechend überschaubar. Wir buchten also das, was noch verfügbar war – natürlich ungesehen.
Ein paar Tage vor der Abfahrt siegte die Neugier dann aber doch über die Spontanität, und wir fuhren zum Fachhändler, um unser Fahrzeug einmal in Augenschein zu nehmen.

Als wir auf dem Parkplatz für Mietfahrzeuge ankamen, staunten wir nicht schlecht. Vor uns stand ein regelrechter Campingpalast – 7,20 Meter lang, 3,20 Meter hoch, ein rollendes Wohnzimmer auf Rädern. Innen erwartete uns ein Raumgefühl, das wir so nicht erwartet hätten: hinten ein gemütliches Doppelbett, vorne im Alkoven Platz für zwei weitere Personen, dazwischen eine Sitzecke, ein Dreiflammenherd, ein Kühlschrank mit Eisfach, jede Menge Stauraum und erstaunlich viel Bewegungsfreiheit.

Die Sorge, auf engstem Raum leben zu müssen, verflog ziemlich schnell. Nur die schiere Größe des Fahrzeugs flößte uns Respekt ein – vor allem bei dem Gedanken, dieses Monstrum selbst zu fahren.

Das Reiseziel stand dagegen lange nicht fest. Wir wussten nur: Sonne, Natur und bitte noch angenehme Temperaturen – im Oktober alles andere als selbstverständlich. Nach ausgiebigem Vergleich verschiedener Apps fiel die Wahl schließlich auf Südfrankreich, genauer gesagt auf Avignon. Unser Motto war damit geboren: Der Weg ist das Ziel.

CHECKLISTE: Vor der Buchung

 

  • Passendes Fahrzeug wählen (Größe, Alkoven, Kastenwagen etc.)
    Wichtig: Vorher checken ob sich auf der Route besonders niedrige Tunnel befinden, z.B. in Gebirgsregionen - Fahrzeughöhe!!!

  • Führerschein prüfen
    (meist Klasse B bis 3,5 t)

  • Versicherung & Selbstbeteiligung klären

  • Mietbedingungen genau lesen
    (Kilometer, Reinigung, Rückgabe)

ABHOLTAG

Einweisung ins Abenteuer

 

Am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub war es soweit: Wir holten unser Zuhause auf Zeit ab. Der Händler wusste, dass wir absolute Neulinge waren, und nahm sich entsprechend viel Zeit für uns.

Geduldig erklärte er uns die Bordelektronik, den Frisch- und Abwassertank, das Toilettensystem, den Kühlschrank, das Gaskochfeld und die wichtigsten Anschlüsse für den Campingplatz. Selbst die Markise durften wir einmal probeweise aus- und wieder einkurbeln – was sich in der Theorie deutlich einfacher anhörte als in der Praxis.

Nach gut anderthalb Stunden rauchte uns der Kopf, aber wir fühlten uns bereit, uns ins Abenteuer Camping zu stürzen. Weil der Tag ohnehin schon lang genug gewesen war, beschlossen wir, den Camper erst am nächsten Morgen ganz in Ruhe zu packen.

CHECKLISTE: Fahrzeugabholung

  • Ausführliche Einweisung geben lassen (nicht stressen lassen!)
    • Frisch- und Abwassertank

    • Toilette

    • Gas & Herd

    • Stromanschluss

    • Heizung

  • Fahrzeughöhe & -breite notieren (wichtig!)
  • Schäden dokumentieren (Fotos machen)
  • Notfallnummern speichern

FAZIT

ABHOLTAG:

Theorie ist gut – aber die Praxis begiinnt erst in dem Moment, in dem man das erste Mal wirklich losrollt.

TAG 1

Packen und Losfahren

 

Unser erster gemeinsamer Urlaubstag begann mit Packen. Dafür, dass es unser erstes Mal war, ging alles erstaunlich schnell.

Die ausgeliehenen Campingutensilien – Klappstühle, Tisch, Outdoorteppich, Lichterketten, Kochtopfset, Teller, Schalen, Schüssel und Stand-alone-Tischlampe – wanderten zusammen mit den Auffahrkeilen und dem Sturmabspannset in den Stauraum. Danach folgten Kleidung, Lebensmittel und all die letzten Kleinigkeiten, die einem eben immer erst kurz vor der Abfahrt einfallen.

Als wir sicher waren, dass wirklich alles dabei war, starteten wir am frühen Nachmittag. Für die Strecke nach Avignon wollten wir uns bewusst zwei bis drei Tage Zeit lassen. Das Ziel für den ersten Tag: ein nettes Plätzchen kurz vor der französischen Grenze.

Nach exakt 213 Kilometern war Schluss. Die perfekte Distanz, um sich an die gemütliche Reisegeschwindigkeit unseres rollenden Zuhauses zu gewöhnen. Beschleunigen? Nur bedingt möglich – oder, wie André es sehr treffend formulierte: „Ganz schön lahmarschig!“
In der Nähe von Berghaupten im Schwarzwald fanden wir einen kleinen Parkplatz an einem Fischerei-See. Trotz einsetzenden Regens und der langsam hereinbrechenden Dunkelheit wollten wir uns noch kurz die Beine vertreten. Ein Spaziergang um den See, frische Luft, Stille – und dann wurde es Zeit, den Camper zum ersten Mal wirklich mit Leben zu füllen.

Das Tischdecken auf wenigen Quadratmetern wurde direkt zur ersten echten Herausforderung. Zwischen Kühlschrank und Sitzgruppe blieb kaum Platz. Wir standen uns im Weg, reichten Teller, Brot, Aufschnitt und Besteck hin und her und lachten über die neue Choreografie unseres Alltags.
Mit der kleinen Tischlampe und den Lichterketten wurde es überraschend gemütlich. Selbst André, der die Deko zunächst für überflüssig gehalten hatte, musste zugeben: „Das Licht ist echt schön.“

Nach einer kurzen Katzenwäsche fielen wir müde, aber glücklich in unsere Koje. Draußen trommelte der Regen aufs Dach, drinnen lief noch ein Hörbuch – Die Känguru-Chroniken. Ein bisschen Kichern vor dem Einschlafen, dann wurde es still.

CHECKLISTE: Packliste

Das Wichtigste

 

Grundausstattung:

  • Kleidung (auch für kühle Nächte)

  • Handtücher & Hygieneartikel

  • Bettwäsche (falls nicht inklusive)

Campingzubehör:

  • Campingstühle & Tisch

  • Taschenlampe / Licht

  • Verlängerungskabel / Adapter

  • Wasserkanister oder Gießkanne

  • Geschirr & Kochutensilien

Praktische Extras:

  • Aufbewahrungsboxen

  • Müllbeutel

  • Küchenrolle

  • Spülmittel + Schwamm

FAZIT

TAG 1:

Packen: Beim nächsten Mal werden wir den Camper erst am ersten Urlaubstag abholen und direkt unsere Aufbewahrungsboxen einladen. Das sparte Zeit und einen Miettag. Wobei wir es im Grunde schon genauso gemacht haben – nur eben mit dem Unterschied, dass der Camper bereits vor der Tür stand.

Camperleben beginnt nicht erst beim Fahren – sondern am Tisch. Auf kleinem Raum lernt man erstaunlich schnell, was man wirklich braucht.

TAG 2

Kaffee im Bett und französische Lektionen

 

Erholt wachte ich auf. André stand grinsend vor mir, in der Hand eine dampfende Tasse. Herrlich: Kaffee im Bett. Ich genoss ihn in vollen Zügen. Mit einem augenzwinkernden Lächeln erklärte André mir: „Der Gasherd ist super einfach zu bedienen.“ Kaffee mit dem kleinen Espressokocher zu machen, sei ein Kinderspiel. „… Aber den zweiten Kaffee gibt’s in der Markthalle.“

Und tatsächlich: Nur etwa 600 Meter von unserem Schlafplatz entfernt befand sich eine ausgesprochen schicke Markthalle mit angeschlossenem Restaurant. Nach einem wunderbaren Frühstück fuhren wir direkt weiter. Der Urlaub fühlte sich vielversprechend an.

Kurz vor der französischen Grenze drückte mir André eine Mappe mit Landkarten und Reiseinformationen vom ADAC in die Hand und sagte: „Es ist doch auch schön, wenn du auf der Landkarte verfolgen kannst, wo wir gerade sind.“ Ich hätte das Ganze eher als spannend denn als schön bezeichnet, denn wir hatten uns ganz bewusst gegen die Autobahn und für französische Landstraßen entschieden. Die Karten ließ ich daher erst einmal links liegen und blätterte stattdessen neugierig durch die Reiseinformationen zu Frankreich.

„Hast du schon einmal etwas vom Umweltticket gehört?“, fragte ich nach ein paar Minuten.

Es kam keine Antwort – nur ein ziemlich ratloser Blick. Also nein. In Frankreich hieß die Umweltzonenplakette „Crit'Air-Vignette“. Sie war verpflichtend für alle Fahrzeuge, auch für ausländische, wenn man ständige oder temporäre Umweltzonen, etwa in Großstädten, befahren wollte.

Die französische Umweltplakette galt also auch für uns. Es gab sechs Kategorien, abhängig von Schadstoffausstoß und Erstzulassung. Ohne gültige Plakette drohten Bußgelder. Die deutsche Umweltplakette half dort nicht weiter.

Wir informierten uns online und bestellten die Vignette kurzerhand digital. Ziemlich zufrieden mit uns selbst fuhren wir weiter – bis es plötzlich blitzte. Erst dachten wir, wir seien zu schnell gewesen. Dann begriffen wir: Das war kein Tempoblitzer, sondern ein Umweltzonenblitzer. Autsch.

TIPP: Hier kann man die Crit'Air-Vignette vor dem Urlaub online beantragen und sich zuschicken lassen.

Ab diesem Moment waren wir um eine Erkenntnis reicher – und vermutlich um mindestens 68 Euro ärmer, wie wir dank mobiler Daten kurz darauf herausfanden.

Je weiter wir nach Süden kamen, desto schöner wurde die Landschaft. Kleine Ortschaften, enge Gassen, duftende Bäckereien. In einer Patisserie bestaunten wir Tartes, Tartelettes, Macarons und wahre Wolken aus Baiser. Vor lauter Staunen ließ André sein Smartphone liegen. Doch die freundliche Verkäuferin lief uns hinterher und rief aufgeregt: „Madam, Madam!“

Wir kauften noch zwei Croissants und schmunzelten lange über die kleine rundliche Französin, die uns mit hochrotem Kopf und einem Smartphone in der Hand hinterher geeilt war.

Am Abend fanden wir einen Platz am Waldrand. Wir deckten den Tisch – diesmal schon mit etwas mehr Routine – und bereiteten unseren „Salat mit allem Drum und dran“ zu. Kochen auf engstem Raum funktionierte erstaunlich gut, sobald man sich ein wenig aufeinander eingespielt hatte.

Zum Einschlafen hörten wir wieder die Känguru-Chroniken. Wir lachten, bis uns irgendwann die Müdigkeit übermannte.

CHECKLISTE: Routenplanung & Vorschriften

  • Fahrzeughöhe beachten (Tunnel, Brücken!)

  • Maut & Umweltzonen prüfen (z. B. Crit’Air in Frankreich)

  • Apps nutzen (Park4Night, Camping.info etc.)

  • Nicht zu lange Etappen planen (200–300 km sind ideal für Anfänger)

FAZIT

TAG 2:

Spontanität ist wunderbar – aber ein bisschen Vorbereitung schadet nicht. Und Croissants heilen fast jedes Missgeschick.

TAG 3

Kein Wasser, dafür ein Schaden am Fahrzeug

 

Am dritten Morgen war unser Rhythmus eigentlich schon fast eingespielt: aufwachen, Kaffee im Bett, Zähne putzen, Katzenwäsche – nur diesmal ohne Wasser. Der Tank war leer.

Wir hatten weder gekocht noch geduscht, die Toilette nicht benutzt, und trotzdem war das Wasser verschwunden. Zum Glück hatten wir stilles Mineralwasser in Flaschen dabei. Den Tank füllten wir bei nächster Gelegenheit wieder auf.

Gegen neun Uhr starteten wir. Eigentlich hatten wir einen Abstecher zu den Cascade de Baumes-les-Messieurs geplant, einer Wasserfallregion, die uns Freunde empfohlen hatten. Doch bei Regen und auf engen Straßen entschieden wir uns dagegen und fuhren stattdessen weiter Richtung Vallon-Pont-d’Arc.

Die Strecke war atemberaubend – und anspruchsvoll. Serpentinen, tiefe felsige Schluchten und hoch aufragende Felsformationen wechselten sich ab. Unser Reisemobil kämpfte sich tapfer durch die Berge. Dann kam ein Tunnel. Höhenangabe: 3,10 Meter. Unser Camper: 3,20 Meter.

Wenden? Unmöglich. Links der Abgrund, rechts der Fels. Die Straße dazwischen hätte ich am ehesten als Flurbereinigungsweg mit Gegenverkehr beschrieben. Aus dem Tunnel kamen uns fröhlich Autos entgegen, eine Wendemöglichkeit war weit und breit nicht in Sicht. Also fuhren wir hoch konzentriert mit unserem Häuschen auf Rädern vorsichtig rückwärts und hofften einfach auf das Beste.

Nach etwa 200 Metern entdeckten wir eine kleine Parkbucht, die augenscheinlich tief genug für 7,20 Meter war. Langsam und mit äußerster Vorsicht setzten wir zurück. Die Bucht nahm uns fast vollständig auf. Autos fuhren vorbei. Wir setzten noch ein winziges Stück weiter zurück – und dann krachte es.

Wir hatten einen kleinen Felsvorsprung touchiert. Die hintere Stoßstange war gebrochen. Toll – Plastik.

Wir machten uns sofort Vorwürfe, dass keiner von uns ausgestiegen war, um einzuweisen. Der kleine Felsbrocken war in der Rückfahrkamera schlicht nicht zu sehen gewesen. Der erste echte Tiefschlag der Reise. Betrübt stiegen wir aus und sammelten das abgesprengte Seitenteil ein. Die Stimmung war schlagartig gedämpft.

Ich rief in Deutschland bei unserem Vermieter an, meldete den Schaden und erfuhr, dass die Vollkaskoversicherung greifen würde – wir aber die höhere Selbstbeteiligung zahlen müssten. Das würde unsere Urlaubskasse spürbar belasten. Mein Gesprächspartner verabschiedete sich dennoch freundlich und aufmunternd mit den Worten: „Lasst euch davon nicht den Urlaub verderben und noch eine schöne Reise!“

Mitten im Nirgendwo, in einem kleinen Bergdorf, hielten wir an, schauten uns den Riss in der Stoßstange an und verdauten erst einmal den Schreck. Danach beschlossen wir, mit Google Maps weiterzufahren, weil unser eingebautes Navi partout keinen anderen Weg kannte als den durch den vermaledeiten Tunnel.

Am Abend erreichten wir Vallon-Pont-d’Arc. Der Campingplatz, den wir uns ausgesucht hatten, war bereits geschlossen. Also übernachteten wir davor – auf ebenem Grund und in erstaunlich ruhiger Stimmung.

Trotz des Rückschlags war die Stimmung nicht völlig dahin – wir hatten immerhin unser erstes Etappenziel erreicht. Irgendwie.

CHECKLISTE: Wasser, Strom & Gas

 

  • Frischwassertank regelmäßig prüfen

  • Abwassertank rechtzeitig entleeren

  • Stromanschluss auf Campingplatz nutzen

  • Gasverbrauch im Blick behalten (Kochen + Heizen)

Tipp: Wasser ist schneller leer als gedacht!

 

CHECKLISTE: Fehler vermeiden

 

  • Fahrzeughöhe unterschätzen

  • Zu viel einpacken

  • Wasserstand ignorieren

  • Ohne Einweisung losfahren

  • Zu große Tagesetappen planen

FAZIT

TAG 3:

Wasser ist nicht selbstverständlich. Und beim Rückwärtsfahren ist es Gold wert, wenn einer draußen steht – wirklich!

TAG 4

Wildcampen verboten, Sonne erlaubt

 

Vogelgezwitscher und Sonnenstrahlen – nach Tagen voller Regen fühlte sich das fast wie ein Neuanfang an.

Wir traten vor die Tür und sahen uns unseren Nachtplatz im hellen Morgenlicht an. Erst jetzt bemerkten wir, wo wir unser Reisemobil eigentlich abgestellt hatten: in einer grünen Parkbucht mit Blick auf ein verschlossenes Tor. Daneben lag ein Schild im Gras: „Camping sauvage interdit“ – Wildcampen verboten.

Aber die Nacht war herrlich ruhig gewesen, und der Morgen hätte schöner kaum sein können. Wir packten zusammen, fuhren los und entdeckten nur wenige Minuten später – direkt hinter einer Brücke über die Ardèche – einen großen Vier-Sterne-Campingplatz: weitläufig, sauber und bis Ende Oktober geöffnet.

Am Empfang wurden wir freundlich auf Englisch und Französisch begrüßt und durften uns unseren Stellplatz selbst aussuchen. Zur Wahl standen Parzellen am Fluss, am Waldrand, in der Nähe des Pools oder bei den Sanitäranlagen. Mein Favorit, ein Platz neben einem Granatapfelbaum, war leider schon vergeben. Also entschieden wir uns für die goldene Mitte – ruhig, sonnig und alles gut zu Fuß erreichbar.

Kaum stand das Reisemobil, schlossen wir den Strom an, rollten die Markise aus und stellten die Stühle hinaus. Danach gönnten wir uns den ersten Kaffee auf unserem Platz – in der Sonne und mit Blick Richtung Ardèche.

Der Tag stand unter dem Motto: „Beautytag – für uns und den Camper“.

Wir füllten Frischwasser auf, räumten auf, fegten Staub und brachten Ordnung in die Schränke. Danach ging es mit Rucksack, Duschgel und Handtüchern ins Waschhaus. Die Anlage war gepflegt, die Einzelkabinen mit Vorraum sauber und angenehm geräumig. Endlich eine richtige Dusche – warm, kräftig und mit genügend Platz, um sich frei zu bewegen. Herrlich.

Den Rest des Tages verbrachten wir lesend und spazierend. Wir waren einfach da – und erstaunlich entspannt.

Am Abend fuhren wir noch einmal los, um im Ort ein paar Lebensmittel einzukaufen. Danach ließen wir den Tag gemütlich vor dem Reisemobil ausklingen.

CHECKLISTE: Stellplätze

 

  • Erste Nächte lieber auf Campingplatz statt wild

  • Auf Ausstattung achten:

    • Sanitäranlagen

    • Strom

    • Frischwasser

  • Wildcampen-Regeln im jeweiligen Land prüfen

FAZIT

TAG 4:

Ein schöner Campingplatz ist mehr als nur ein Stellplatz – er bedeutet Ankommen, Aufatmen und Durchatmen zugleich.

TAG 5

Bleiben statt Weiterfahren

 

Der Platz gefiel uns so gut, dass wir beschlossen, einfach noch ein wenig länger zu bleiben.

Die Sonne schien, wir hatten keine Termine und keine Pläne – nur Zeit.

Zwischendurch probierten wir unser Campingzubehör in aller Ruhe aus. Kleine Helfer, die man im Laden eher beiläufig anschaute, wurden plötzlich zu unverzichtbaren Begleitern: die Gießkanne mit Schraubverschluss zum Befüllen des Frischwassertanks, der faltbare Eimer und der faltbare Einkaufskorb – beide ideal zum Transportieren und Spülen von Geschirr. Und last but not least mein persönliches Highlight: der magnetische Wäschetrockner. Im platzeigenen Waschsalon wuschen wir Wäsche und hängten sie anschließend an der Beifahrertür auf.

Alles funktionierte, alles hatte seinen Platz.

Am Nachmittag erreichten uns dann gute Nachrichten per E-Mail: Unsere digital bestellte Crit’Air-Vignette war angekommen. Wir ließen sie an der Rezeption ausdrucken und legten sie gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe. Damit war auch das letzte offene To-do erledigt.

CHECKLISTE: Alltag im Camper

 

  • Ordnung halten (wenig Platz!)

  • Aufgaben aufteilen (z. B. einer kocht, einer räumt)

  • Routinen entwickeln (Wasser, Müll, Strom)

  • Zeit lassen – alles dauert am Anfang länger

FAZIT

TAG 5:

Manchmal muss man gar nicht weiterfahren, um Neues zu entdecken. Bleiben kann genauso schön sein.

TAG 6

Ruhe, Routine und kleine Erkenntnisse

 

Wir blieben noch einen weiteren Tag. Warum auch nicht?

Das Wetter war sonnig und warm, die Nächte ruhig, der Platz angenehm leer. Wir frühstückten draußen, tranken Kaffee, hörten das Rauschen des Flusses und beobachteten, wie die Sonne langsam über die Parzellen wanderte.

Es war erstaunlich, wie schnell sich eine neue Normalität einstellte.

Morgens Kaffee, mittags ein Spaziergang oder ein Sonnenbad an der Ardèche, abends kochen – alles auf engem Raum, aber ganz ohne Stress. Wir genossen diesen einfachen Rhythmus und stellten fest, dass weniger Ablenkung tatsächlich mehr Achtsamkeit bedeutete.

Am Abend, beim Sonnenuntergang, sprachen wir darüber, was uns begeistert hatte – und was wir beim nächsten Mal vielleicht anders machen würden. Das Fazit fiel kurz aus: Wir würden alles genauso wieder tun.

CHECKLISTE: Mindset

 

  • Nicht alles muss perfekt laufen

  • Pannen gehören dazu

  • Flexibel bleiben

  • Kleine Dinge genießen

FAZIT

TAG 6:

Ruhe fernab vom Alltag kann süchtig machen. Und Campen bedeutet manchmal einfach, den eigenen Rhythmus neu zu entdecken.

TAG 7

Morgennebel und eine unerwartete Begegnung

 

Ich wachte früh auf. Über der Ardèche lag Nebel, der Himmel war zart blaurosa und die Sonne blitzte bereits über dem Horizont hervor. Die Stimmung war friedlich, fast magisch – der Campingplatz schlief noch.

Ich schnappte mir meine Kamera und ging spazieren. Zwischen den Parzellen entdeckte ich die unterschiedlichsten Gespanne – von modernen Wohnmobilen bis hin zu charmanten Oldtimern. Besonders ins Auge fiel mir ein alter Eriba Touring, gezogen von einem betagten, aber liebevoll restaurierten blauen Citroën DS. Zurück im Camper erzählte mir André, dass DS umgangssprachlich für „die Göttin“ stand.

Später traf ich die Besitzer: ein älteres Ehepaar, das seit Jahrzehnten campte. Wir kamen ins Gespräch, und ich merkte schnell, wie selbstverständlich Camping für sie war. Diese Gelassenheit beeindruckte mich.

Nach dem Frühstück packten wir zusammen. Markise einrollen, Stühle verstauen, Strom abklemmen – die Handgriffe saßen inzwischen. Ein bisschen Wehmut war schon dabei, aber auch Vorfreude auf die Weiterfahrt.

Heute ging es wieder Richtung Heimat. Einen Zwischenstopp wollten wir in Regensburg einlegen – dort waren wir auf eine Hochzeit eingeladen.

Die Fahrt führte uns durch herbstliche Landschaften. Die Berge wurden flacher, die Bäume bunter. Am späten Nachmittag fanden wir einen kleinen Parkplatz im Wald: geschottert, ruhig, perfekt für eine Nacht. Wir aßen, genossen die Stille und gingen früh schlafen.

Doch in der Nacht wurde es plötzlich unruhig. Autos fuhren vor, Stimmen, Lachen – und auf einmal waren wir hellwach. Vorsichtshalber verriegelten wir die Türen und überlegten kurz, ob wir lieber weiterfahren sollten. Schließlich griff André beherzt zur Taschenlampe und ging nachsehen, was überhaupt los war. Ich blieb etwas nervös im Camper zurück und hoffte – mal wieder – auf das Beste.

Wenig später kam er lachend zurück: „Alles gut. Der Platz ist bekannt – Treffpunkt für Nachtschwärmer und einsame Herzen.“ Wir mussten beide lachen, waren erleichtert und amüsierten uns noch eine Weile. Irgendwann kehrte dann wieder Ruhe ein – draußen wie drinnen.

FAZIT

TAG 7:

Vertrauen, Gelassenheit und ein bisschen Humor sind die besten Reisebegleiter. Und ängstliche Typen wie ich sollten wohl lieber auf dem Campingplatz schlafen als im Wald.

TAG 8

Ein Abend in der Schwarzwaldtherme

 

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Norden. Vorbei an endlosen Kuhweiden und – wie immer – über die Landstraße. Unser Tagesziel: Deutschland und am besten ein Campingplatz mit Sauna im Schwarzwald.

Leider war dort alles ausgebucht. Also änderten wir kurzerhand unsere Pläne. Sauna war uns wichtig, also suchten wir online nach einer Alternative und entdeckten die Schwarzwaldtherme in Titisee-Neustadt – dort durften Wohnmobile auch über Nacht – gegen eine kleine Parkgebühr – auf dem Parkplatz stehen. Nach einer kleinen Kurskorrektur kamen wir am Nachmittag an, parkten, packten unsere Badetaschen und gingen hinein. Schon beim Eintreten wussten wir: Das war genau die richtige Entscheidung.

Die Anlage war modern, hell und großzügig. Saunen, Dampfbad, warme Becken – alles wirkte gepflegt und ruhig. Ein echtes Highlight waren die tropischen Bäume, die sich wie kleine Inseln durch die gesamte Therme zogen. Nach einer Woche unterwegs fühlte sich das wie purer Luxus an.

Spätabends kehrten wir entspannt zum Camper zurück. Draußen war es kühl geworden, und zum ersten Mal nutzten wir die Bordheizung. Ein Knopfdruck – und schon nach wenigen Minuten war es angenehm warm. Wir saßen noch eine Weile zusammen, hörten Musik und ließen den Tag ganz in Ruhe ausklingen.

FAZIT

TAG 8:

Auch Spontanität braucht manchmal ein bisschen Komfort. Und eine funktionierende Heizung kann pures Glück bedeuten.

TAG 9

Regensburg und eine besondere Gesellschaft

 

Am nächsten Tag erreichten wir Regensburg.

Unser Reisemobil durften wir direkt an der Donau auf dem Parkplatz des Gasthauses abstellen. Wir zogen uns um und waren pünktlich zur Hochzeitsfeier da.

Der Abend war festlich, fröhlich und ausgelassen. Mit uns am Tisch saßen mehrere erfahrene Campingfreunde – eine Maskenbildnerin, ein Bühnentechniker und eine Lehrerin. Schon nach kurzer Zeit steckten wir mitten in Gesprächen über Wohnmobile, Reisen und Ausrüstung.

Ich fragte nach dem Gasverbrauch. Unsere Tischnachbarn erzählten, dass sie mehrere Wochen unterwegs gewesen waren und in dieser Zeit nur eine einzige Gasflasche verbraucht hatten – trotz täglichen Kochens. Das beruhigte mich mit Blick auf die Heizung sehr.

Nach einem langen, schönen und lustigen Abend mit Tanz und Gaudi fielen wir schließlich müde ins Bett. Die Heizung summte leise, und ich war einfach dankbar, dass alles funktionierte.

FAZIT

TAG 9:

Camping verbindet – und manchmal bekommt man die besten Tipps genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

TAG 10

Heimkehr

 

Der letzte Tag begann sonnig. Wir verabschiedeten uns vom Hochzeitspaar, stiegen ins Wohnmobil und fuhren die restlichen 200 Kilometer nach Hause. Bis ganz zum Schluss blieb der Weg das Ziel. Auch an diesem Tag entschieden wir uns bewusst gegen die Autobahn. Die Landschaft zog ruhig an uns vorbei, und wir merkten, dass sich das Heimkommen diesmal anders anfühlte. Ein bisschen Wehmut fuhr mit.

Zu Hause angekommen, räumten wir das Fahrzeug aus.

Eine Stunde für das Gepäck, zweieinhalb Stunden für die Reinigung.

Wir wischten, saugten, klopften Teppiche aus und stellten alles wieder an seinen Platz. Es war uns wichtig, das Fahrzeug genauso ordentlich zurückzugeben, wie wir es übernommen hatten.

Am nächsten Vormittag brachten wir den Camper zurück, besprachen die Schadensabwicklung und verabschiedeten uns mit einem guten Gefühl. Der Rest des Wochenendes gehörte der Wäsche – und dem langsamen Ankommen zu Hause.
Das Schönste an dieser Reise war unter anderem, dass wir die gesamte Strecke ohne einen einzigen Meter Autobahn zurückgelegt hatten. Der Weg war tatsächlich das Ziel.

Hinweis: keine Rechtsberatung; regionale Unterschiede möglich.

FAZIT

TAG 10:

Wir werden wieder campen – das stand fest. Ein eigener Camper ist noch Zukunftsmusik, aber die Begeisterung bleibt. Und eines wissen wir nun sicher: So ein Palast auf Rädern muss es gar nicht sein.

 

NACHKLANG

 

Wir waren losgefahren, weil alle vom Campen schwärmten.

Zurückgekommen waren wir mit eigenen Geschichten, Erfahrungen und einem ganz neuen Gefühl für das Unterwegssein.

Unser Motto hatte sich bewährt: Der Weg war das Ziel.

Und wir wussten jetzt – es war erst der Anfang.

Miri im Urlaub einem Lächeln im Gesicht.Miri im Urlaub einem Lächeln im Gesicht.

SIBYLLE

Campingenthusiastin


FAQ

Was sollte man als Campingneuling vor der ersten Reise unbedingt beachten?

+
Wichtig sind eine gute Fahrzeugeinweisung, die Kontrolle von Wasser, Strom und Gas sowie eine einfache Packliste. Gerade beim ersten Trip hilft es, nicht zu viel mitzunehmen und die Grundfunktionen des Campers vorab zu testen.

Ist ein gemieteter Camper für Anfänger sinnvoll?

+
Ja, ein Mietcamper ist ideal für Einsteiger. So kann man ohne hohe Anschaffungskosten herausfinden, welche Fahrzeuggröße, Ausstattung und Reiseform wirklich zu den eigenen Bedürfnissen passen.

Welche Ausstattung braucht man für den ersten Campingurlaub wirklich?

+
Zur Grundausstattung gehören Tisch, Stühle, Geschirr, Kochutensilien, Beleuchtung, Stromanschluss, Auffahrkeile und praktische Helfer für Wasser und Ordnung. Viele Anfänger merken schnell, dass weniger oft mehr ist.

Wie plant man die erste Route mit dem Camper am besten?

+
Für Anfänger sind kurze Etappen und flexible Tagesziele sinnvoll. Wer sich nicht unter Zeitdruck setzt, gewöhnt sich entspannter an Fahrzeuggröße, Fahrverhalten und das Leben auf engem Raum.

Was ist auf einem Campingplatz besonders wichtig?

+
Entscheidend sind Stromanschluss, Frischwasserversorgung, Entsorgungsmöglichkeiten, Sanitäranlagen und ein passender Stellplatz. Für Einsteiger ist ein gut ausgestatteter Campingplatz oft deutlich entspannter als freies Stehen.

Wie funktioniert die Wasserversorgung im Camper?

+
Im Camper gibt es meist einen Frischwassertank und einen Abwassertank. Anfänger sollten den Wasserstand regelmäßig prüfen, sparsam mit Wasser umgehen und wissen, wo sie unterwegs Wasser nachfüllen können.

Darf man mit dem Camper überall übernachten oder wildcampen?

+
Nein, das ist je nach Land und Region unterschiedlich geregelt. Wildcampen ist vielerorts verboten oder nur eingeschränkt erlaubt. Deshalb sollte man sich vorab über die lokalen Regeln informieren.

Welche Fehler machen Campinganfänger besonders häufig?

+
Typische Anfängerfehler sind zu große Tagesetappen, schlechte Vorbereitung, falsches Einschätzen von Fahrzeughöhe und -breite, unübersichtliches Packen und zu wenig Aufmerksamkeit bei Wasser, Strom oder Gas.

Was muss man bei einer Camperreise ins Ausland beachten?

+
Im Ausland können zusätzliche Vorschriften gelten, etwa Maut, Umweltzonen oder spezielle Vignetten. Auch Maße, Gewicht und Parkregeln sollte man vor der Reise prüfen.

Warum begeistert Camping viele Einsteiger schon nach der ersten Reise?

+
Camping vermittelt Freiheit, Nähe zur Natur und einen entschleunigten Reisealltag. Viele Neulinge erleben, dass gerade der einfache Rhythmus aus Fahren, Ankommen und Draußensein den besonderen Reiz ausmacht.

UNSERE EQUIPMENT-HIGHLIGHTS

Erstellet: 28.04.2026

Letzte Änderung: 28.04.2026

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