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Zum WhatsApp Camper KanalCamping für Anfänger | Freddie bekommt ein neues Bad


REISETAGEBUCH
Campingtoilette, Farbeimer und ein neuer Lieblingsplatz
Wie wir Freddie von den 2000ern befreiten und dabei merkten, dass er längst mehr als nur ein Wohnmobil geworden war
Nach unserer ersten Tour mit Freddie und den kleinen Abenteuern rund um Kfz-Meister, Werkstatttermine und die Erkenntnis, dass ein über zwanzig Jahre altes Wohnmobil durchaus seinen eigenen Charakter besitzt, beschlossen wir, erst einmal eine Reisepause einzulegen. Der Grund: Wir wollten Freddie besser kennenlernen. So richtig. Mit offenen Schranktüren, Taschenlampe in der Hand und dem ehrlichen Blick auf alles, was uns unterwegs aufgefallen ist.
Sagen wir mal so: Es gab Verbesserungspotenzial – vor allem im Bad.
Bernd betrachtete den Raum mit der Gelassenheit eines Mannes, der funktionierende Dinge grundsätzlich für ausreichend hält.
„Es ist doch alles da“, meinte er und deutete auf Waschbecken, Toilette und Dusche.
Ich stand im Türrahmen, verschränkte die Arme und versuchte höflich zu formulieren, was ich dachte.
„Ja. Aber schön ist anders.“
Das Bad hatte diesen ganz besonderen Charme, aus vergilbtem Kunststoff, dunklen Ecken und dem Designverständnis vergangener Jahrzehnte. Nicht wirklich schlimm. Aber nicht der Ort, an dem man morgens gerne verschlafen die Zahnbürste schwingt.
Und so war schnell klar: Wenn Freddie unser Zuhause auf Rädern werden sollte, musste sich etwas ändern.
Planen, verwerfen, finden
An einem verregneten Wochenende saßen wir mit unserem Zubehörkatalog am Esstisch. Zwischen Kaffeetassen und Notizzetteln planten wir unsere persönliche Wohnmobil-Revolution. Ich hatte dabei durch meinen Job einen kleinen Heimvorteil. Täglich tauchte ich ein in eine Welt voller Campingzubehör, neue Produkte und kreative Lösungen. Also fragte ich Kollegen aus Vertrieb und Einkauf aus, wälzte den Katalog und sammelte Ideen.
Schnell kristallisierte sich unser Ziel heraus: Mehr Platz. Mehr Gemütlichkeit. Weniger Plastikcharme. Und vor allem keine fest eingebaute Kassettentoilette mehr. Allein dieser Gedanke sorgte bei uns beiden für erstaunlich gute Laune.
Camping macht vieles romantisch. Sonnenuntergänge. Lagerfeuer. Morgendlicher Kaffee vor dem Wohnmobil. Das Entleeren von Fäkalientanks gehört für uns allerdings nicht dazu. Überhaupt nicht.






Auf zum Caravan Salon
Als wir hörten, dass auf dem Caravan Salon in Düsseldorf eine neue mobile Verschweißtoilette vorgestellt werden sollte, war unser Interesse sofort geweckt. Also machten wir uns mit Freddie auf den Weg nach Düsseldorf. Auf dem Caravan Center parkten wir unser Wohnmobil und marschierten los.
Wer noch nie auf dem Caravan Salon war, dem sei gesagt: Man fühlt sich dort ungefähr so wie ein Kind im Spielwarenladen.
Eigentlich wollten wir nach einer neuen Matratze schauen. Das war zumindest der offizielle Plan. Doch insgeheim führte uns unser Weg zielstrebig zu einem bestimmten Messestand. Dort stand sie. Die Clesana X1. Unser möglicher zukünftiger Badezimmer-Star.
Wir betrachteten das Vorführmodell von allen Seiten. Öffneten Deckel. Stellten Fragen. Hörten Erklärungen. Nickten fachmännisch. Fragten noch mehr. Und irgendwann sahen Bernd und ich uns an. Dieser Blick genügte. Wir waren überzeugt. Keine komplizierten Umbauten. Keine Kassette. Keine unangenehmen Reinigungsaktionen. Stattdessen hygienisch verschweißte Beutel.
Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die einen glücklich machen. Allerdings hatte die Geschichte einen kleinen Haken. Die Toilette war noch nicht lieferbar. Natürlich nicht.
Aber wir übten uns in Geduld und verbrachten stattdessen erst einmal ein schönes Wochenende rund um Düsseldorf. Freddie brachte uns zuverlässig von A nach B, während wir unterwegs weiter von unserem zukünftigen Wohlfühlbad träumten.
Wieder zuhause teilten wir die Aufgaben auf. Ich bekam den Wohnraum. Bernd bekam das Bad.
Bernd rückte mit Akkuschrauber, Hammer und Stemmeisen an und entkernte das Bad Stück für Stück.
Der kleine Tisch im Wohnmobil mein kreatives Reich: Ich verteilte Stoffmuster, Vorhangstoffe, Kissenbezüge und Farbkarten im Wohnmobil und dank der Kabeltrommel konnte auch meine Nähmaschine endlich wieder zeigen, was in ihr steckt.


Der Umbau beginnt
Schon bald klang unser Garagenvorplatz wie eine Mischung aus Schreinerei und Nähatelier. Aus dem Bad hörte ich Bohrgeräusche.
Gelegentlich in Kombination mit einem deutlichen „Mist!“.
Bei mir ratterte die Nähmaschine vor sich hin, während ich versuchte, neue Bezüge für die Polster zu nähen.
Tag für Tag veränderte sich Freddie. Neue Stoffe zogen ein. Frische Vorhänge. Praktische Kisten für unsere Campingausrüstung. Ein paar Kunstpflanzen, die erstaunlich wohnlich wirkten. Im Bad verschwanden die alten Oberflächen unter einem modernen dunklen Grau. Die Wände bekamen eine neue Tapete. Der Boden wurde versiegelt und wirkte plötzlich erstaunlich hochwertig. Kaum waren wir mit den Renovierungsarbeiten fertig, geschah etwas, das fast schon verdächtig perfekt war. Zuerst traf die neue Matratze ein. Und kurz darauf klingelte der Paketdienst erneut. Die Toilette war da.
Vorsichtig stellten wir die Clesana X1 an ihren Platz. Danach folgte selbstverständlich ein hochwissenschaftlicher Praxistest. Mit Mineralwasser. Man möchte schließlich nicht direkt mit der Königsklasse beginnen. Gespannt beobachteten wir die Technik. Sie funktionierte. Tadellos.
Bernd grinste.
Ich grinste zurück.
Und plötzlich standen wir beide im Türrahmen unseres kleinen neuen Badezimmers und waren ein bisschen stolz auf uns. Vielleicht sogar mehr als ein bisschen.
Am Abend saßen wir mit zwei Gläsern Wein in Freddie. Die neuen Kissen lagen auf der Sitzbank. Die Vorhänge hingen ordentlich an ihrem Platz. Im Bad glänzte die neue Farbe und irgendwo roch es noch ganz leicht nach Kleber & frischer Matratze.
Wir ließen die vergangenen Wochen Revue passieren. Das Fluchen. Das Hämmern. Die Stoffberge. Die Lieferzeiten. Die kleinen Pannen.
Und wir mussten lachen.








Milchmädchenrechnung oder Punktlandung?
Am Ende blieben wir knapp unter unserem veranschlagten Budget.
Das war super, aber ehrlich gesagt gar nicht das Wichtigste. Während wir dort saßen, wurde mir etwas klar. Freddie war längst mehr geworden als nur ein Fahrzeug. Er war kein Gebrauchtwagenprojekt mehr. Kein spontaner Campingversuch. Er war unser kleines Zuhause unterwegs geworden. Ein Ort voller gemeinsamer Ideen, kleiner Macken und selbstgebauter Lösungen. Ein Ort, in den wir Zeit, Arbeit und ein Stück Herzblut gesteckt hatten. Und genau deshalb fühlte sich dieser Abend so besonders an.








NACHKLANG
Manchmal entstehen die schönsten Reiseerinnerungen gar nicht unterwegs.
Manchmal beginnen sie schon zu Hause.
Zwischen Stoffresten, Farbdosen und einem Wohnmobil namens Freddie.
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Erstellt: 08.06.2026
Letzte Änderung: 09.06.2026